Conrad Veidt Kurzbiographie
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Conrad
Veidt , geboren am 22.1.1893 in Berlin wuchs in behüteten, kleinbürgerlichen
Verhältnissen auf. Der kaisertreue Vater hätte sich für seinen Sohn eine
militärische Karriere gewünscht, der (miserable) Schüler Conrad zog den Beruf
des Arztes in Erwägung, doch mit 17 wusste er, dass das Theater sein Schicksal
sei und nach kurzer Schauspiellehre erreichte er mit zäher Beharrlichkeit
schließlich ein Vorsprechen vor Max Reinhard und wurde für das "Deutsche
Theater" engagiert.
Der
Ausbruch des I. Weltkriegs bedeutet nur eine kurze Caesur in seiner beginnenden
Karriere, denn früh wehrdienstuntauglich geworden tourte er mit verschiedenen
Fronttheatern, was ihm die Möglichkeit gab, die unterschiedlichsten Rollen zu
spielen.
Wie
die meisten "seriösen" Schauspieler stand er dem jungen Medium Film
zunächst skeptisch gegenüber, aber beim Film waren die Gagen deutlich höher
und so war er auf der Leinwand bereits ab 1917 zu sehen.
Nach
Ende des Kriegs erreichte der deutsche Film eine neue, aufregende Qualität. Die
Lehren Sigmund Freuds, der Expressionismus und die ungewohnte Freiheit der
Weimarer Republik brachten wahre Meisterwerke hervor, und in vielen davon war
Veidt zu sehen, unter anderem in "Das Cabinet des Dr. Caligari",
"Anders als die Anderen" , "Das Wachsfigurenkabinett",
"Orlacs Hände", u.v.m.
Dabei
stellte sich heraus, dass Veidt für die Arbeit vor der Kamera prädestiniert
war. Im Gegensatz zu vielen Filmschauspielkollegen, die ebenfalls am Theater
ausgebildet waren, erkannte er schnell die Besonderheiten der Filmarbeit und
setzte seine Gestik sehr sparsam ein. Seinem wichtigstem Werkzeug als
Schauspieler, der Sprache, beraubt, nutzte er sein ausdrucksvolles Gesicht um
den Zuschauern rein mimisch seine innersten Gefühlsregungen nahe zu bringen,
was ihn bei den Kritikern und dem Publikum im In- und Ausland höchstes Lob
einbrachte.
1926
wurde der "Dämon der Leinwand" wie er genannt wurde und der nach Emil
Jannings höchst bezahlter Star im deutschen Film war, nach Hollywood
eingeladen, wo er mit John Barrymore in "The Beloved Rogue"
(Der Bettelpoet) , als Gwynplaine in "The Man who Laughs" (Der
Mann der lacht) und in "The Last Performance" (Illusion) vor
der Kamera stand.
Der Siegeszug des Tonfilms führte ihn jedoch 1929 in die Heimat zurück. Die
Zeiten hatten sich geändert und auch Veidts Rollen wurden nüchterner. Und
endlich war auch seine markante
Stimme zu hören.
In
den folgenden vier Jahren drehte er unter anderem "Der schwarze Husar",
"Die andere Seite" und "Die letzte Kompagnie",
"Rasputin" und tatsächlich auch heitere Musikkomödien wie "Der
Kongreß tanzt" und "Ich und die Kaiserin".
Nach
der Machtübernahme der Nazis wurde der Druck auf jüdische Filmschaffende
unerträglich. Conrad Veidt, der viele Freunde und Kollegen bedroht sah, wollte
ein Zeichen setzen und übernahm die Hauptrolle in der englischen Produktion
"Jew Suess", nach dem wunderbaren historischen Roman Lion
Feuchtwangers. Goebbels versuchte mit freundlichen (Arierzeugnis für die halbjüdische
3. Ehefrau Lily Preger) und unfreundlichen Mitteln (Hausarrest) den beliebten
Star in Deutschland zu halten, und an einer positiven Darstellung eines jüdischen
Lebens abzuhalten. Aber Conrad Veidt, dem Toleranz und Weltoffenheit über
alles ging, drehte "Jew Suess" und wurde danach in Deutschland zur
persona non grata erklärt. 1934 wanderte er endgültig nach Großbritannien
aus.
Hier
drehte er eine Reihe von Filmen, die häufig im Agentenmilieu spielten, da er
seinen deutschen Akzent nicht verbergen konnte. Dazu gehören u.a. "The
Spy in Black" (Der Spion in Schwarz), "Contraband"und
"Dark Journey" (Dunkle Geschäfte). Aber auch Abenteuerfilme
wie "King of the Damned", "Under the Red Robe"
(Unter der roten Robe) und "Storm over Asia" (Sturm über
Asien). Der bekannteste dieser Reihe ist zweifellos "The Thief of
Baghdad" (Der Dieb von Bagdad), der wegen seiner wegweisenden
Tricktechnik mit 3 Oscars ausgezeichnet wurde und in die Filmgeschichte einging.
"Der Dieb von Bagdad" war auch der einzige Farbfilm, in dem Veidt je
zu sehen war, leider, wie jeder zugeben wird, der jemals in "Jaffars"
stahlblaue Augen gesehen hat.
1940
nahm Conrad Veidt ein weiteres Mal eine Einladung nach Hollywood an. Neben
"A Woman's Face" (Die Frau mit der Narbe, aka Erpressung) mit
Joan Crawford, und "The Men in her Life" (Roman einer Tänzerin)
wurde er wiederum oft in Agentenfilmen besetzt. Darunter u.a. in "All
through the Night" (Agenten der Nacht) mit Humphrey Bogart. Mit
letzterem drehte er auch jenen Film, der wohl als der Kultfilm schlechthin gilt:
"Casablanca". Conrad Veidt spielte den Major Strasser. Das
deutsche Publikum musste bis in die 70er Jahre auf die Szenen mit Conrad Veidt
verzichten, da die Verleihfirmen vermeinten dem deutschen Zuschauer keine
Naziszenen zumuten zu können.
Auch
"Above Suspicion" gehörte in das Agentenmilieu, aber
erfreulicherweise stand Conrad Veidts Rolle, Count Hassert Seidel, diesmal auf
der "guten Seite" als Widerstandskämpfer. Erfreulich ist diese
Tatsache deshalb, weil sich herausstellte, dass "Above Suspicion"
Conrad Veidts letzter Film sein sollte. Kurz nach Beendigung der Dreharbeiten
verstarb er am 3.4.1943 unerwartet wegen Herzversagens, nur 50jährig während
eines Golfspiels im Riviera Country Golf Club, Hollywood.
Zunächst
ruhte seine Asche auf einem Friedhof in Hollywood, später im Ferncliff Cemetary,
Westchester County, New York.
Die Asche seiner Witwe wurde 1980 in der selben Urne beigesetzt, die Urne reiste
dann wieder nach Kalifornien, in die Obhut eines Neffen der Witwe. Am 3.4.1998
schließlich wurde die Urne auf Betreiben der "Conrad Veidt Society"
auf dem Golders Green Cemetary, London (in der Nähe seine Hauses, Hampstaed
Heath ) verbracht. Dort wurde ein Platz für 50 Jahre (durch Spenden)
gekauft.
Conrad
Veidt war dreimal verheiratet, mit seiner zweiten Frau hatte er eine Tochter
(*1925 +2004).
Häufig
spielte er dämonische Gestalten, Mörder oder "böse" Agenten, war er
doch groß (ca. 1.90m), hager, hatte markante Gesichtszüge (berühmt war seine
Schläfenader, die das Maß seiner Erregung deutlich widerspiegelte) und er
hatte sehr schöne, ausdrucksvolle Hände. Markantestes Merkmal aber waren seine
Augen, die es ihm ermöglichten, jede innere Regung äußerlich darzustellen.
Conrad
Veidt über seine Kunst:
Wenn
ich eine neue Rolle bekomme, so nehme ich zunächst das Manuskript an mich und -
ich finde keinen drastischeren Ausdruck dafür - infiziere mein ganzes Wesen
damit...Und sehr bald fühle ich mit geradezu erschreckender Intensität, wie
die Person, die ich darzustellen habe, in mir wächst, wie ich mich in sie
verwandle...1
Conrad
Veidt über sein Rollenverständnis:
Ist er gut - ist er böse? Das ist die Frage, die das Publikum aufwirft, wenn ein Darsteller konsequent problematische Charaktere verkörpert...Ich liebe es, solche Charaktere zu spielen, weil in ihnen von vornherein der dramatische Konflikt beschlossen ist...Aber die Kernfrage: Wie verhält sich der Darsteller zu den von ihm verkörperten Persönlichkeiten? Ganz präzise: die sogenannten Bösewichte sind im Grund genommen nicht so schlecht, und wenn ich sie gerne spiele, so ist es nicht darum, weil mir das Zerstörende ihres Wesens liegt, sondern weil ich den Zipfel Menschentum, der im bösesten Bösewicht verborgen ist, zeigen will.2
1
Conrad Veidt in Paul Ickes: "Conrad Veidt", Berlin, 1927
2
Conrad Veidt "Film Photos wie noch nie", Gießen, 1929
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Kontakt: info@conradveidt.de